Linus Erdmann: Der Deutsche Meister im Kitesurfen über seine Wettkampf Pläne, Nachwuchsförderung und seine Ernährung

Linus Erdmann: Der Deutsche Meister im Kitesurfen über seine Wettkampf Pläne, Nachwuchsförderung und seine Ernährung

Linus Erdmann ist professioneller Kitesurfer. Er war unser erster Teamrider im Nussknacker Team und ist jetzt schon seit fast 10 Jahren dabei. Zur Zeit ist er in Tunesien. Trotz seines vollen Terminkalenders hat er sich die Zeit genommen und KERNenergie Geschäftsführer, Denis Burghardt, einige Fragen rund um seine Pläne, den Kitesport, sein Training und welche Rolle die KERNenergie Produkte dabei spielen, beantwortet.

Hallo Linus. Schön, dass Du Dir Zeit für uns nimmst. Du bist derzeit in Tunesien. Was genau machst Du dort eigentlich?

Vielen Dank für das Interview. Ich bin im Moment mit meiner Freundin Lonia in Tunesien. Hier haben wir für Kite Worldwide unser Kitecenter aufgebaut, das ist also unser neuer Standort für die nächste Zeit.

Kiten Djerba

Linus Djerba

Du bist amtierender und insgesamt sechsmaliger Deutscher Meister im Kitesurfen. Was sind Deine nächsten Pläne im Wettkampf, welche Ziele hast Du auf Wettkampfebene aktuell und für die nächsten Jahre?

Ja, inzwischen bin ich sechsfacher Deutscher Meister, auch amtierend. Ich plane, dieses Jahr bei den Deutschen Meisterschaften wieder mitzufahren, mein Fokus hat sich mittlerweile aber etwas verlagert: Loni und ich haben angefangen, mit der Children of the Sea Academy (hier findest Du unseren Bericht darüber) Jugendliche bei ihren Trainings zu unterstützen und ihnen auf dem Weg zum Profi unser Wissen weiter zu geben.
Also, den Weg zu ebnen, den ich auch gegangen bin. Darauf werden wir uns dieses Jahr noch mehr fokussieren.
Des Weiteren habe ich einen Kite Verein gegründet, den Kitesurf Club Deutschland e.V.. Dieser wird für Wettkampf Athleten zuständig sein und Trainingsevents organisieren, die von Childeren of the Sea umgesetzt werden. Außerdem werden wir fürs Racing* und fürs Freestyle* Athleten vor Ort betreuen. Also der Schwerpunkt verlagert sich langsam vom aktiven Fahrer zum Coach. Ich werde aber dennoch aktiv weitermitfahren.

Children of the Sea Academy Logo  Kitesurf Club Deutschland Logo

 

Du bist seit langem Initiator von Children oft the Sea. Jetzt hast Du noch den Kitesurf Club gegründet. Zum Thema Jugendförderung: Ich habe mir gerade die Weltrangliste im Kitesurfen angeschaut und keine deutsche Flagge unter den Top30 gesehen. Wie siehst Du Deutschland im Kitesurfen vertreten und wie siehst Du eine Nation mit so vielen Kitesurfern im internationalen Vergleich, zum Beispiel im Vergleich zu Spanien, Frankreich und Brasilien?

Ein großes Problem in Deutschland ist die Förderung des Kitesports. Es gibt wenige Leute, die sich dafür interessieren. Um das zu ändern, muss man die Verbindung schaffen zwischen den „normalen“ Kitern und den Profis. Es muss einfacher werden, dass sie die Informationen bekommen, was bei den Wettkämpfen vor sich geht. Man muss die Leute zusammenbringen, auch wenn Kitesurfen ein Einzelsport ist und jeder alleine aufs Board geht. Wir wollen es mit dem Kitesurf Verein schaffen, eine Gemeinschaft zu kreieren, sodass alle zusammenhalten. Wir möchten zusammen agieren, gemeinsam an Wettkämpfen teilnehmen.
Du hast Recht: Wir haben derzeit wirklich keine deutschen Kitesurfer weltweit im Freestyle*. Außer Florian Gruber im Racing* sind wir da leider schwach vertreten, obwohl wir sehr gute Spots und reichlich Potential haben. Viele Kitesurf Firmen kommen aus Deutschland und eigentlich ist es unverständlich, warum wir nicht vorne mit dabei sind mit einem guten Athleten Team.

Zum Thema Deutscher Kitesurf Club: Wir werden natürlich auch darüber berichten und wollen Euch da gerne fördern. Was sind die Ziele und Vorstellungen dahingehend? Was kann man Deiner Meinung nach mehr tun, um die deutsche Nachwuchsförderung dazu bringen, dass Wettkämpfe gefahren werden können? Das ist ja zum Teil auch eine finanzielle Frage, woran es bei vielen scheitert.

Das größte Problem beim Reisen ist tatsächlich meist das Finanzielle. Sowohl die Reise zu den Wettkämpfen als auch das Leben vor Ort ist nicht günstig. Auch Material muss man mitbringen, teilweise müssen Startgelder gezahlt werden. Wir wollen als Verein über die Spendengelder und die Fördermitgliedschaften, die wir anbieten, genau das finanzieren für Jugendliche, die Talent haben und die Lust haben, dabei zu sein.
Sowohl für Olympia als auch für das Racing* und fürs Freestylen* wollen wir ermöglichen, dass sie kein Startgeld zahlen müssen und irgendwann möchten wir ihnen auch ein Gehalt zahlen können. So, wie es bei anderen Sportarten der Fall ist. Und wir möchten gerne Flüge und Hotels übernehmen, um viele an der Spitze zu sehen. Dafür sind wir auf Spenden angewiesen und natürlich brauchen wir möglichst viele Mitglieder, die den Verein unterstützen und dahinterstehen, um so etwas in Deutschland zu ermöglichen.

Gemeinschaft Kite Surfer

Du bist jetzt mit Lonia in Tunesien, was sind Eure Pläne für die nächsten fünf Jahre. Wollt ihr zwischen Deutschland und dem Ausland wechseln oder wie sehen Eure Pläne aus?

Der Ort Djerba, wo wir momentan sind, bietet sich perfekt an, um im Winter zu trainieren. Auch im Frühjahr und im Herbst ist es ein toller Ort, mit guten Bedingungen. Wir wollen das als Basis, als Trainingslager, als Home von Children of the Sea und als Kitecenter von Loni und mir etablieren, der Name wird auch noch angepasst. Dann haben wir hier eine tolle Trainingslocation, wo man innerhalb von drei Stunden aus Deutschland hinkommen kann. Und im Sommer, in den paar Monaten, wo die Wettkämpfe sind, möchten wir gerne in Deutschland sein. Der Kitesurf Club Deutschland, der KCD, sitzt auf Fehmarn und dort wollen wir ein Vereinshaus mit Testmaterial für die Mitglieder haben. Da werden wir dann hin und her pendeln, sodass wir ab und zu in Deutschland sein werden. Im Winter können die Vereinsmitglieder und die Talente zu uns nach Tunesien zum Trainieren kommen. So werden wir maximal 3 Monate in Deutschland sein und die restliche Zeit in Tunesien verbringen und die Station hier nach vorne bringen.

Es hat sich sehr viel getan im Kitesurfen die letzten Jahre, es gibt zum Beispiel das „Foilen“. Da bist Du ja auch für Olympia angemeldet. Was ist der Unterschied zwischen Foilen und „normalem“ Kitesurfen? Was macht Dir als Freestyler am meisten Spaß?

Das Schöne am Sport Kitesurfen ist, dass er so vielseitig ist. Je nachdem, wie die Bedingungen sind, entscheide ich mich dafür, welches Board ich nehme. Das Foilen* hat viele Vorteile: man braucht wenig Wind, man kann ganz früh angleiten, man hat kaum Reibung und kann dadurch schon ab sechs Knoten auf dem Wasser sein, also 12km/h Windgeschwindigkeit. Andere Boards haben natürlich auch Vorteile. Wenn man große Wellen hat, nimmt man das Wave Board, geht mit dem Board in die Welle. Was sich sehr gut dafür eignet, ist der Core Nexus. Den kann man sehr gut sowohl für das Foilen* als auch für die Wellen nehmen und für Freestlyle*. Das ist ein schöner Allrounder, den ich sehr oft nutze. Genauso macht mir auch das Freestylen* Spaß. Das ist meine Königs- und Hauptdisziplin, in der ich auch sechsfacher Deutscher Meister bin. Ich selber habe auch Ambitionen im Racing* und im Foiling* teilzunehmen und werde auch versuchen, bei Olympia mit dabei zu sein. Sollte das für mich selber nicht klappen und sollte ich nicht in den Kader kommen, sondern andere, jüngere Nachwuchstalente und Athleten, dann ist mein Ziel ganz klar, der Trainer zu sein. Dann möchte ich die Jungs nach vorne bringen, um die besten Taktiken zu fahren und sie Materialtechnisch nach vorne zu bringen, um für Deutschland die ein oder andere Gold Medaille zu holen. Das wäre mein Traum.

Linus Foilen

Nüsse und Früchte sind ja schon lange ein Teil Deiner Ernährung. Momentan bist Du in einer sehr sportlichen Phase Welche Sportarten machst Du momentan und worauf legst Du besonders großen Wert in Sachen Ernährung?

Meine Hauptdisziplin ist natürlich nach wie vor das Kitesurfen in jeglicher Variation. Immer dann, wenn kein Wind ist und eigentlich auch täglich morgens und abends, versuche ich mich fit zu halten durch Fitness. Aber nicht durch das standardmäßige Pumpen, sondern eher Calisthenics Übungen, wo es darum geht, Körperspannung zu haben und alles mit eigenem Körpergewicht zu machen. Sprich, viele Klimmzüge und Sit ups. Diese ganzen Basic Sachen, die es schon seit ewigen Zeiten gibt, aber ohne Gewichte. Das Training macht aber ja nur etwa 30% aus, der Rest ist eigentlich die Ernährung. Da schaue ich, dass ich mich möglichst proteinreich und kohlenhydratarm bzw. Kohlenhydrat gecycelt ernähre, sprich mal Phasen mit mehr Kohlenhydraten und Phasen mit weniger Kohlenhydraten, um ein Defizit zu entwickeln. Aber vor allem sind eben die Proteine super wichtig und die ganzen Micronährstoffe. Und die sind in Nüssen und Trockenfrüchten reichlich enthalten. Ich versuche, keinen raffinierten Zucker und kein Weißmehl zu mir zu nehmen und das klappt eigentlich ganz gut, das hält mich fit. In der Regel gilt, nicht zu viel essen, alles in Maßen. In dosiertem Maße sind Nüsse auf jeden Fall eine der besten Proteinquellen und liefern gesunde Fettsäuren und sind damit definitiv Teil jeder Sportler- und Fitness Ernährung.

Linus Ernährung

Stichwort „vegan“. Viele unserer Kunden ernähren sich vegan. Wie stehst Du zur veganen Ernährung. Bringt Dir das Vor- oder Nachteile für Deinen Sport? Wie oft isst Du Nüsse als Unterstützung für Deinen Sport?

Ich habe tatsächlich vor zwei Wochen angefangen, mich vegan zu ernähren, um einfach mal auszutesten, wie es mir dabei geht, was der Körper damit macht. Bisher habe ich ohnehin wenig tierische Produkte zu mir genommen. Fleisch habe ich so gut wie gar nicht gegessen, das einzige waren eigentlich Eier und Leben, das ist ein fermentiertes Milchgetränk hier in Tunesien. Das habe ich jetzt auch noch weggelassen. Es ist mir also relativ einfach gefallen, komplett auf Gemüse, Früchte und eben nur auf pflanzliche Nährstoffe zurückzugreifen. Dabei habe ich natürlich meinen Nusshaushalt erhöht. Ich esse ziemlich viele Mandeln und schaue halt, dass ich das ganze unter einen Hut bekomme, dass es nicht zu viel ist, aber auch nicht zu wenig an Protein. Ich habe außerdem noch einige Nahrungsergänzungsmittel. Gerade als Veganer muss man schauen, dass man genug Vitamin B12 zu sich nimmt und es gibt auch noch ein paar andere Stoffe, wie Vitamin B6. Das ist zum Teil auch alles in Nüssen enthalten, aber ich nehme einzelne Sachen noch zusätzlich ein, um wirklich die maximalen Werte zu erreichen und keinen Muskelschwund zu haben. So kann ich als Veganer weiter aufbauen. Ich werde das mal so lange durchziehen bis ich sage: „Gut, es liegt mir nicht“ oder „Ich mache das weiter“. Bisher merke ich natürlich noch nicht so viel, aber ich denke schon, dass man seine Leistung steigern kann.

Linus Sport

Du bist ja schon lange bei uns an Bord und hast bereits viele Nussmischugnen probiert. Gibt es neue Produkte, die Du besonders gern magst oder gibt es aktuell mehrere Favoriten?

Meine neuen Lieblingsprodukte sind definitiv die Honige mit Nüssen. Akazienhonig mit Pistazien zum Beispiel. Ich bin großer Fan von Honig. Auch hier in Tunesien mache ich mir selber immer eine Honig-Kurkuma Mischung, das antibakteriell und ähnlich wie ein Antibiotikum wirkt. Davon nehme ich jeden Morgen einen Löffel und seitdem bin ich nicht mehr krank geworden. Kein einziges Mal hatte ich hier auch nur irgendwas Kleines, kein Schnupfen, kein gar nichts. Von daher ist diese Mischung von Honig und Nüssen definitiv mein neuer Favorit und ganz oben auf der Liste.

BeeNut Akazienhonig mit Pistazien

KERNenergie hat ja einige neue Produkte, wie Honig und Nusscremes. Gefällt Dir das, findest Du das zu viel oder denkst Du, wir könnten noch mehr neue Produkte auf den Markt bringen? Welchen Eindruck hast Du von den Produktneuheiten?

Ich finde es super zu sehen, wie diese Marke sich weiterentwickelt. Es gibt keinen Stillstand, es kommen immer neue Produkte heraus. Das ist perfekt zu sehen und so muss sich eine Marke auch entwickeln. Dabei ist alles, was rauskommt, wirklich qualitativ hochwertig. Was ich mega geil finde, ist auch das Müsli, super lecker und schnell zubereitet zum Frühstück. Und, wie gesagt, der Honig mit Nüssen als mein Favorit. Ich denke, dass KERNenergie definitiv das Potenzial hat, noch weitere Produkte auf den Markt zu bringen. Gerade Nüsse eignen sich ja für viele Produkte und Rezepte. Loni und ich tragen ja auch ab und zu dazu bei, ein paar KERNenergie Rezepte zu schreiben. Ich denke, Nüsse können sehr vielseitig sein. Ich selber habe zum Beispiel schon oft KERNenergie Nüsse mit Datteln gemischt und mir so einen Proteinriegel gemacht, das hat auch sehr gut geschmeckt. Ich denke, auch in diese Richtung auf dem Fitnessmarkt kann man noch sehr viel mehr machen und ich unterstütze und teste und knabber natürlich gerne überall, wo ich kann und darf.

Vielen Dank für das Interview, Linus. Wir freuen uns darauf, Dich weiterhin begleiten zu können. Was ist dieses Jahr noch geplant, wo die Leute mehr über Dich und Loni erfahren können?

Vielen Dank für die interessanten Fragen. Wir freuen uns natürlich auf die Saison und werden weiterhin mit tollen Rezepten und coolen Videos und einigen Artikeln auf der Website zu sehen sein. wir haben schon einiges für Euch vorbereitet, also seid gespannt und Stay tuned für weitere Updates von Loni und mir. Also, ernährt Euch weiterhin gesund, stay healthy, stay hydrated und wir freuen uns darauf, Euch alle bald wieder zu sehen. 😉 Bis dahin und vielen Dank für die Unterstützung.

Linus Kitesurfen

Was macht der Kitesurf Club Deutschland e.V.?

Der Kitesurf Club Deutschland e.V., bei dem Linus zweiter Vorsitzende ist, wurde Ende 2019 gegründet. Mit dem Verein möchte der sechsmalige Deutsche Meister im Kitesurfen die Sportart Kitesurfen im Breitensport und im Wettkampfsport fördern. Ziel ist es, junge Nachwuchsathleten im Wettkampf zu unterstützen und sich für die Verbesserung der Bedingungen des Kitesurf Sports einzusetzen. Dazu bietet der Verein Trainings und Trainingscamps in Verbindung mit der Children of the Sea Academy an. Außerdem werden Trainingsmittel bereitgestellt und Veranstaltungen, die der Verbreitung des Kitesurfens dienen, geplant und durchgeführt.
Der Verein gliedert sich in zwei Teams: dem Bereich Freestyle* mit Children of the Sea und dem Bereich Kitefoil Racing, mit Young Kiteracer Germany, wobei sich beide Bereiche auf die jeweilige Nachwuchsarbeit konzentrieren.

 

*Für alle, die sich (noch) nicht ganz so gut mit dem Kitesport auskennen, haben wir hier Begriffe, die Linus im Interview erwähnt hat, noch einmal näher erläutert.

Kite-Racing:

Das Racing ist eine der Wettkampf Disziplinen bei den Deutschen Meisterschaften im Kitesurfen. Dabei handelt es sich um eine Art Wettrennen auf dem Wasser. Dafür sind sowohl ein gesundes Selbstbewusstsein als auch taktisches Geschick nötig, um sich seinen Platz zu erkämpfen.

Foilen:

Wie beim „normalen“ Kiten wird der Kite Surfer beim Foilen von einer Art Drachen auf einem Board über das Wasser gezogen. Beim Foilen jedoch schwebt der Kiter mit seinem Board über dem Wasser, da sich nur der Flügel, der sogenannte Foil, im Wasser befindet. Dieser ist über den Mast mit dem Kiteboard verbunden. Durch die Geschwindigkeit beim Fahren hebt sich das Brett aus dem Wasser, sodass nur noch das Foil das Wasser schneidet. Die Herausforderung dabei ist es, die Balance zu halten und die richtige Geschwindigkeit zu finden, sodass das Brett aus dem Wasser kommt, das Foil aber im Wasser bleibt.

Freestyle:

Das Freestyle Kiten gehört es zu den anspruchsvollsten Disziplinen des Kitesurfens. Die Sportler führen dabei verschiedene Tricks auf dem Wasser aus. Dazu gehören zum Beispiel Sprünge und Drehungen um die eigene Achse.

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